Do It Yourself! Insekten Züchten – Mehlwürmer Farm Bauen – Teil 1

Letzte Woche Dienstag habe ich mir meine ersten Mehlwürmer für meine Mehlwurmzucht im Zooladen gekauft. Stolze 200g  habe ich mir geholt – ich möchte erstmal klein anfangen. Was es zu beachten gibt beim Start einer Mehlwurmzucht, welche Materialien benötigt werden und ob es Zeitintensiv ist erfährst du hier.

Benötigtes Material:

  • Weizenkleie, Haferflocken
  • Kunststofftonne
  • engmaschige Katzenklo-Schaufel
  • Wäscheklammern
  • Kalender
  • verschiedene feine Siebe
  • Schutzmaske, wegen Feinstaub beim säubern
  • Kunststoffboxen, in meinem Fall habe ich einen Büro Schubladencontainer gewählt. Aber hier umbedingt darauf achten, dass die Schubladen nicht Luftdicht sein dürfen!
  • eventuell Heizmatten
  • eventuell Zeitschaltuhr
  • harte Semmeln oder Brot
  • Obst, Gemüse

Wie kann eine Mehlwurm-Zuchtanlage aussehen?

Kunststoffboxen, welche nicht zwingend durchsichtig sein müssen (z.B. Katzenklos, Käfigunterteile, leere Plastikflaschen….) werden je nach Platzangebot in bequemer und vor allem rückenschonender Arbeitshöhe platziert. Man verbringt doch viel Zeit beim Sortieren und sollte deshalb darauf achten eine angenehme Höhe zu haben. Einheitliche Kisten erleichtern das tägliche Hantieren und lassen sich leichter schlichten. Da Mehlkäfer eigentlich nicht fliegen, werden keine Deckel oder sonstige Gitterabdeckungen benötigt. Bei mir ist nur ein einziger Käfer in zwei Jahren mal abgehauen. Ihn habe ich verendet in einer Schublade gefunden.

Ein alter Schreibtisch ist schnell mit herausziehbaren Fächern ausgestattet, sodass auf geringer Bodenfläche relativ viele Kisten über einander untergebracht werden können. Eine andere Option ist die Unterbringung der Zuchtbehälter in Regalen und einem daneben stehenden Arbeitstisch, auf dem die tägliche Versorgung durchgeführt wird. Diese Methode nimmt zwar etwas mehr Platz in Anspruch, dafür lässt sich die Anlage aber leicht ausbauen und beliebig erweitern. Ich persönlich habe mir einen durchsichtigen Schubladen-Büro-Plastikcontainer gekauft, bei dem die Schubladen nicht bündig abschließen. Das ist wichtig, damit die Tiere Luft bekommen und die Luft zirkulieren kann. Eine zu hohe Feuchtigkeit kann Schimmelbildung begünstigen oder sehr starken Befall von Milben hervorrufen. Dieser Container ist sehr Platz sparend und hat in mein Nebenzimmer gepasst. Ich selbst empfehle es nicht, die Tiere im Schlafraum oder Wohnraum zu halten, es bilden sich deutliche Gerüche und die Reinigung staubt doch sehr. Meine Zucht war sehr klein und ich habe sie im Garten gesiebt und in der Wohnung gehalten. Für größere Anlagen eignen sich besonders Kellerräume oder alte Ställe, aber auch auf dem Balkon ist eine ertragreiche Zucht möglich. Zu bedenken ist, dass die Häutungen der Würmer, welche im Wachstum regelmäßig abgestreift werden, federleicht sind und beim kleinsten Windstoß durch die Luft gewirbelt werden. Die Kleie ist auch nicht wirklich staubarm und sollte in einer Kunststofftonne gelagert werden, vor allem um sie vor Schädlingen zu schützen. Auch beeinflusst natürlich die Temperatur den Wachstum der Würmer. Umso kälter es ist, desto langsamer der Wachstum. Zu heiß darf es natürlich auch nicht sein. 

Die Boxen werden einige Zentimeter hoch mit Haferflocken und oder Weizenkleie gefüllt, welche sowohl als Substrat als auch als Nahrung dient. Meine Boxen waren ca. 10 cm hoch und ich habe sie mit 2cm Substrat gefüllt. Bei höheren Boxen und größeren Anlagen kann natürlich mehr Substrat und somit auch mehr Tiere in eine Box gegeben werden. 

Mehlwürmer füttern – Was fressen Mehlwürmer?

Gefüttert habe ich sie mit Haferflocken, Karotte und Salat, aber nicht zu viel Nassfutter auf einmal, das schaffen die kleinen Würmer nicht. Die Käfer lieben es sich unter Brötchen zu verstecken, ob Sie sie wirklich essen weiß ich noch nicht, soll aber für Würmer und Käfer ein sehr beliebtes Nahrungsmittel sein.

Obst und/oder Gemüse sind ein fester Bestandteil in der Ernährung der Mehlwürmer und Mehlkäfer und liefern die notwendige Feuchtigkeit. Am besten geeignet sind hierfür Sorten, die nicht allzu wässrig sind, wie etwa Äpfel, Birnen, Karotten, Zucchini, Kürbisse oder Schalen von Zucker- oder Honigmelonen. Je nach Saison und was gerade günstig zu bekommen ist. Für Abwechslung sind die Tierchen dankbar und zeigen dies durch ihren Appetit. Auch Strünke von Brokkoli oder Kohl finden hier noch Verwendung.

Gurken, Wassermelonen und Pfirsiche sind aufgrund ihrer Porosität und des viel gespeicherten Wassers nicht besonders gut geeignet. Ich habe Gurke ausprobiert und musste feststellen, dass zu dick geschnittene Scheiben schnell schimmeln, wenn es allerdings nur eine hauchdünn geschnittene Scheibe ist, wird sie restlos von den Tieren aufgegessen.

Festeres Obst bzw. Gemüse wird in 1 cm dicke Scheiben geschnitten und den Würmern mit der Schnittfläche nach unten serviert. Die Käfer hingegen benötigen die Schnittfläche oben, damit sie ungehindert fressen können. Bei Salat gilt nur zu beachten, dass dieser oft sehr stark mit Pestiziden belastet ist und einige ihn deshalb nicht verfüttern. Obst- und Gemüsereste müssen täglich entfernt und durch frisches Futter ersetzt werden.

Welche Siebe eignen sich?

Würmer müssen regelmäßig durchgesiebt werden. Zum einen um sie zu reinigen und zum anderen um die Käfer, Würmer, Eier und Puppen untereinander zu trennen, da sonst die Käfer und Würmer ihre Puppen fressen.

An meinen ersten Würmern habe ich meinen Aufbau getestet: bleiben auf dem 5 mm Sieb die Puppen liegen? – Nein sie fallen leider durch, auch ein 4 mm Sieb ist zu groß. Ich habe mir jetzt ein 6 Mesh Sieb gekauft, das sind umgerechnet 3.36 mm. Die Würmer sind keine 2 mm dick jedoch zieren sie sich durch ein 2 mm Sieb hindurch zu krabbeln, putzig ihnen dabei zuzusehen wie sie es versuchen. Die Puppen haben ca. eine Breite von nicht ganz 4 mm und sollten deshalb darauf liegen bleiben.

Wer keine so große Wissenschaft daraus machen will wie ich, kauft einfach eine engmaschige Katzenklo-Schaufel und nimmt ein feines Sieb aus der Küchenabteilung.

Zuchtstart 

Meine ersten Mehlwürmer habe ich aus einem Zooladen bekommen. Dort werden lebendwürmer für Tiere verkauft. Alternatib können sie auch aus dem Internet bestellt werden, dazu nachfolgend ein Link:

Mehlwürmer lebend 500g

Im Zooladen habe ich mir 200g lebende Mehlwürmer gekauft:

So habe ich die Mehlwürmer bekommen. Ich habe sie dann erstmal auf ein Fliegennetz gegeben, um sie von Dreck zu reinigen, anschließend in eine Plastik Schublade, die oben raus nicht dicht ist, damit die Würmer Luft bekommen. Dazu reichlich Haferflocken und Karotte, ein paar Tage später etwas Salat.

Die gekauften Mehlwürmer werden in die, vorbereitete Kiste gefüllt, je nach Größe des Gefäßes sollten das 0,5 – 1,5 Liter sein. Brot und Feuchtfutter werden hinzugefügt.

Sobald sich die ersten Larven verpuppen, wird ein weiteres Gefäß mit Substrat versehen, in welches die Puppen übersiedelt werden. Futter wird in diesem Stadium nicht benötigt. Der Vorgang des auslesens muss täglich verrichtet werden, denn die verpuppten Tiere werden sonst von den Würmern angeknabbert. Das Substrat wird vorsichtig händisch durchwühlt, um möglichst alle Puppen zu erwischen. Zu Beginn hatte ich angst diese noch so zarten Puppen kaputtzumachen und bin vorsichtig mit einem kleinen Löffel durchgegangen. Aber wie gesagt, ich hatte eine sehr kleine Zucht.

Nach einiger Zeit entwickeln sich aus den Puppen Käfer, welche anfangs weißlich und weich sind, recht bald aber härtet der Chitinpanzer aus und die Insekten werden immer dunkler, bis sie schließlich zu vollständig schwarzen Tieren ausreifen.

Die Käfer werden in eine neue, mit Kleie, Obst und Gebäck ausgestattete Box umgesetzt, um zu verhindern, dass die adulten Tiere die ruhenden Puppen anfressen. Am wohlsten fühlen sich die Krabbler, wenn sie in einem abgedunkelten Bereich untergebracht sind, es reicht, wenn sich die Käferkisten, zum Beispiel in den untersten Fächern befinden, spezielle Abdeckungen sind nicht notwendig.

Nach der Paarung werden die Eier direkt ins Substrat abgelegt. Aus ihnen schlüpfen nach ca. 3 Wochen winzige Würmchen. Ein Käferweibchen kann in ihrem Leben bis zu 200 Eier produzieren. Je nach Besatzdichte verbleiben die Käfer 3-8 Wochen in einer Kiste, dann werden sie, mit Hilfe einer Katzenklo-Schaufel mit schmalen Öffnungen, in ein neu hergerichtetes Becken umgesetzt. Mit dieser Schaufel werden auch die, als Futter benötigten Larven, entnommen.

Wenn die Zucht läuft – Welche Arbeiten fallen an?

Bei größeren Anlagen können die Boxen je nach Entwicklungsstufe mit nummerierten Wäscheklammern markiert werden, die problemlos versetzt und wieder verwendet werden können. Meine Zucht war so klein, dass ich nur drei Boxen für die unterschiedlichen Wurmgrößen hatte und zusätzlich eine Käfer-Box und eine Puppen-Box. Ein kleiner Kalender hilft es am Anfang ein Gefühl für die Dauer eines Lebenszyklus zu bekommen und man behält auch später den Überblick seit wann man eine neue Käfer-Box neu besetzt hat.

Für nicht klimatisierte Räume gilt zu beachten, dass bei hohen Temperaturen sich die Tiere sehr schnell entwickeln und in der kühleren Jahreszeit langsamer. Hier sollte man vielleicht Heizmatten unter die Becken legen, um den Stoffwechsel der Insekten anzukurbeln. Die Matten müssen nicht ständig in Betrieb sein. Mittels einer Zeitschaltuhr lässt sich die Einsatzzeit regeln, sodass beispielsweise nur jede zweite Stunde geheizt wird, was wiederum eine nicht zu ignorierende Stromersparnis bedeutet.

Die Würmer vertilgen auch die Weizenkleie, daher besteht das Substrat mit der Zeit fast nur noch aus Kot. Die Tiere werden mit einem feinen Küchensieb vom alten Substrat getrennt und entweder in frisches umgebettet oder verfüttert. Bei dieser Arbeit sollte unbedingt eine Staubmaske getragen werden, da eine starke Belastung der Atemwege durch den aufgewirbelten, feinen Staub besteht. Wenn die Larven ausgesiebt sind, kann das verbleibende Substrat dem Kompost beigemengt oder gleich in die Erde zur Bodenverbesserung eingearbeitet werden.

Reinigung und Hygiene

Für die Reinigung der Behälter eignet sich handelsübliches Geschirrspülmittel, Essigreiniger oder normaler Essig. Durch Abspülen mit sehr heißem Wasser werden viele Keime getötet. Zusätzlich kann man die Boxen in der Sonne trocknen lassen, denn die UV-Strahlen wirken ebenfalls desinfizierend.

Wenn man größere Mengen Weizenklei oder Hafer kauft und lagert kann es sein, dass Motten sich darin einnisten, diese sind zwar lästig, vermindern den Zuchterfolg aber nicht.

Bei starkem Futtermilbenbefall, wurde zu viel Feuchtfutter angeboten, um von den Tieren gefressen zu werden. Wenn Heerscharen dieser kleinen Biester über die ganze Anlage herfallen, hilft nur noch eines: die Temperatur des Substrates erhöhen. Am einfachsten und effektivsten geschieht das mit den Heizmatten. Ausschlaggebend ist, dass die Kleie ein bis zwei Grad wärmer als die Umgebungstemperatur ist. Die mikroskopisch kleinen Plagegeister verschwinden bei dieser Methode unverzüglich. Bei hoher Besatzdichte erzeugen die Tiere selbst so viel Wärme, dass sich erst gar keine Milben ansiedeln.

Auch ist mir aufgefallen, dass eine gut funktionierende Mehlwurmzucht anzulegen und zu betreiben zwar nicht schwierig ist, der zeitliche Aufwand darf aber auf keinen Fall unterschätzt werden. Eine halbe bis eineinhalb Stunden Arbeitszeit am Tag zum Mehlwürmer züchten müssen eingerechnet werden, für Fütterung, Siebung und Reinigung der Zucht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.